Konventionelle vs. Ökologische Landwirtschaft: Klimaschutz

Auf welche Weise beeinflusst die Landwirtschaft unsere Umwelt und unser tägliches Leben? Lese hier die Einleitung zu dieser Serie. Teil 1 befasste sich mit dem Thema Wasser, während sich Teil 2 auf die Bodenfruchtbarkeit unter ökologischer vs. konventioneller Landwirtschaft konzentrierte. In Teil 3 gingen es schließlich um Biodiversität und Landwirtschaft.

Klimaschutz

Die Landwirtschaft spielt eine Schlüsselrolle beim Schutz unseres Klimas.

Einerseits trägt die Landwirtschaft in großem Maße zum Klimawandel bei. Andererseits hat die Landwirtschaft das Potenzial, nicht nur klimaneutral zu sein, sondern den Klimawandel aufzuhalten!

Lass es mich erklären.

Eines der wichtigsten Treibhausgase ist Kohlendioxid (CO2). Und einer der Hauptbestandteile des Bodens ist Kohlenstoff (C). Der Boden kann sowohl eine Quelle von CO2 sein und er kann CO2 in Form von organischem Material (Humus) speichern.

Die Frage ist dann: Gibt der Boden mehr oder weniger Kohlendioxid frei, als er speichert? Oder mit anderen Worten: Schützen unsere Böden unser Klima oder beschleunigen sie den Klimawandel? Beides ist möglich, es hängt nur davon ab, wie Böden bewirtschaftet werden.

Vergleicht man konventionellen und ökologischen Landbau, welches System ist besser beim Klimaschutz? Natürlich können wir auf diese Frage nicht antworten, ohne noch einmal auf die Bodenfruchtbarkeit einzugehen.

CO2 gespeichert oder freigesetzt?

Zur Erinnerung: im Artikel über Bodenfruchtbarkeit, haben wir gesehen, dass unter ökologischem Landbau,

  • der organische Kohlenstoffgehalt des Bodens um 26 % höher war
  • die Gesamtstabilität des Bodens um 15 % höher war
  • und Bodenerosion im Vergleich zur konventionellen Landwirtschaft um 22 % reduziert wurde.

Dies zeigt bereits, dass der ökologische Landbau viel Potenzial hat, mehr CO2 zu speichern und den Klimawandel aufzuhalten.

Der Studie zufolge* war die Kohlenstoffbindung (oder -speicherungsrate) um 939 kg CO2-Äquivalente** pro Hektar und Jahr unter ökologischer Bewirtschaftung höher. Im Grunde bedeutet dies, dass das durchschnittliche Bio-Ackerland jährlich 939 kg CO2 (oder andere Treibhausgase) pro Hektar mehr speichert als konventionelle landwirtschaftliche Flächen.

Lachgas

Ein weiteres Treibhausgas ist Lachgas, ein Gas, das ein 300-mal höheres Treibhauspotential hat als CO2. Stickstoffoxid wird aus Düngemitteln oder Gülle, das auf Ackerland aufgebracht wird, in die Atmosphäre emittiert. Die Stickoxidemissionen erweisen sich auf ökologisch bewirtschafteten Landflächen um 140 kg CO2-Äquivalente pro Hektar und Jahr niedriger als auf konventionellen Ackerflächen.

Demnach schneidet der ökologische Landbau beim Klimaschutz besser ab.

Welche Art von Landwirtschaft kann den Klimawandel aufhalten? Foto von John Cameron

Pro Hektar oder pro Kilogramm?

Wir müssen jedoch unterscheiden, ob diese Umweltauswirkungen pro Hektar oder pro Produktionseinheit (z. B. pro kg Milch oder pro Tonne Weizen) bemessen werden. Da die Erträge im Ökolandbau allgemein geringer sind (um ca. 25%), braucht er auch mehr Fläche, um die gleiche Menge an Nahrungsmitteln zu produzieren als die konventionelle Landwirtschaft. Folglich führen Treibhausgasemissionen pro Fläche und Produktionseinheit zu unterschiedlichen Ergebnissen in Bezug auf die Klimaeffizienz der Landwirtschaft.

Diese Studie kommt zu dem Schluss, dass die Gesamtemissionen pro kg Milch aus der ökologischen und konventionellen Milchproduktion als vergleichbar angesehen werden.

Andere Studien,  die sich auf die ertragsbasierte Frage konzentrierten, kamen zu dem Schluss, dass der ökologische Landbau einen schlechteren Nettoeffekt auf den Klimawandel hat als die konventionelle Landwirtschaft. Wie sind sie zu diesem Schluss gekommen? Sie berechneten die zusätzliche Fläche, die bewirtschaftet werden müsste, um geringere Erträge im ökologischen Landbau auszugleichen.

Die zusätzlichen Flächen, die bewirtschaftet werden müssten, wären oft ehemalige Wälder oder andere natürliche Lebensräume. Und die Umwandlung von Wäldern in Grünland oder Ackerland hat negativere Auswirkungen auf den Klimawandel, als durch die verstärkte Kohlenstoffbindung des ökologischen Landbaus kompensiert werden könnte.

Kurzum: Der ökologische Landbau erfordert mehr Land, um die gleiche Menge an Nahrungsmitteln zu produzieren, als die konventionelle Landwirtschaft. Mehr Land bedeutet mehr Wälder anderswo abzuholzen, was letztlich mehr Treibhausgasemissionen bedeutet.

Ist Bio schlechter für unser Klima?

Nach diesen Berechnungen würden wir unserem Klima mehr schaden als nützen, wenn wir alle zu 100 % ökologisch konsumieren würden.

Die Schlüsselfrage lautet dann aber: Müssen wir denn in Zukunft die gleiche, oder sogar noch größere Menge an Nahrungsmitteln produzieren?

Dabei müssen wir bedenken, dass zwischen 25 % und 50 % aller weltweit produzierten Lebensmittel weggeworfen werden (aus verschiedenen Gründen sowohl in Industrie- als auch in Entwicklungsländern!).

Außerdem wird 2/3 des in der EU erzeugten Getreides als Futter für Tiere und nicht für den direkten menschlichen Verzehr verwendet. Diese hohe Nachfrage nach tierischen Produkten trägt bereits zur Abholzung bei. Siehe meinen Artikel  Reconsidering Animal vs. Plant-Based Diets  für eine eingehendere Diskussion dazu.

Darüber hinaus gibt es immer noch Ackerland, das momentan nicht für den Anbau von Nahrungsmitteln genutzt wird (allein in Afrika gibt es rund 320 Millionen Hektar Brachland).

Es gibt genug Land auf unserem Planeten, auch für Bedingungen des Ökolandbaus, die Frage ist, wofür wir es nutzen.

Tierhaltung erfordert mehr Fläche (sei es durch den Getreideanbau, welches an Tiere verfüttert wird, oder durch Weidehaltung). Foto von Christian Widell

Schlussfolgerung

Abschließend kann man sagen, dass der ökologische Landbau besser für unser Klima ist, wenn man die Treibhauswirkung je Fläche betrachtet. Wenn wir jedoch die Ertragsskala (pro Einheit erzeugter Lebensmittel) anwenden, ist die konventionelle Landwirtschaft besser für unser Klima.

Dennoch könnte der ökologische Landbau die einzige praktikable Option für die Zukunft sein. Denn: Was nützt ein klimafreundliches Landwirtschaftssystem, wenn wir Gefahr laufen, die Artenvielfalt  (einschließlich Bestäuber!),  Bodenfruchtbarkeit  und  sauberes Wasser zu verlieren?

Der ökologische Landbau kann aber nur dann dazu dienen, den Klimawandel aufzuhalten,  wenn wir gleichzeitig weniger tierische Produkte essen, aufhören,  weltweit Lebensmittel zu verschwenden und die Ackerfläche, die uns bereits zur Verfügung steht, ohne weitere natürliche Lebensräume zu zerstören.


Da der Klimawandel bereits eine (erfahrbare) Realität in unserer Welt ist, werden wir uns im nächsten Artikel mit der Frage befassen, ob konventioneller oder ökologischer Landbau besser an den Klimawandel angepasst ist. Bis zum nächsten Mal!

*Sanders J, Hess J (Hrsg.) (2019) Leistungen des ökologischen Landbaus für Umwelt und Gesellschaft . Braunschweig: Johann Heinrich von Thünen-Institut, 364 p, Thünen Rep 65, DOI:10.3220/REP1547040572000

**CO₂-​Äquivalente (CO₂e) sind eine Masseinheit zur Vereinheitlichung der Klimawirkung der unterschiedlichen Treibhausgase

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